Gerade habe ich beim Autowaschen versucht eine grüne Spinne vorm Ertrinken zu retten und da das arme Biest keine Ahnung hatte, dass ich ihm helfen wollte und es bei dem Missverständnis während der Rettungsmaßnahme auf altbewährte Mechanismen gesetzt hat: "...ich bin hier in was Komischen - da kommt was dickes-warmes (mein Finger) - mal erkunden- oh- ich werde mitgerissen, nein der Faden hält mich - Aaaah! Ich ertrinke so gut wie - Hilfe-Hilfe-ich-liege-auf-dem-Rücken-und-komme-nicht-weg-viieel-mit-den-Beinen-Strampeln!!! - Fast ertrunken, also ergebe ich mich dem Schicksal und ziehe meine Beine an mich - oh, doch davon gekommen: schnell Faden spinnen und absetzen!!" ist sie auf einem sowieso schon nassen Boden gelandet, wo ich nicht weiß, ob sie mit der Mischung aus Seife und warmen Wasser zurecht gekommen ist. Ich muß also davon ausgehen, dass die Rettungsaktion ziemlich in die Hose gegangen ist. Seufz.
Und das alles nur, weil ich die Warmwasser sprühende Schaumbürste nicht weggelegt habe, bevor ich den ersten Kontakt aufgenommen habe.
Warum ich das nicht gemacht habe? Na, ich weiß doch, dass ich eine vertrauenswürdige Person bin, die der Spinne nur gutes will, also diese mal eben schnell von der Autoantenne zur Seite setzen, damit sie nicht ertrinkt und dann schnell weiter mit der Bürste wischen, weil ich Geld eingeworfen hatte, das schnell ablief.
Nur: die Spinne wusste davon überhaupt nix und setzt daher verständlicherweise auf Mechanismen, die die Evolution wahrscheinlich in 10.000 von Jahren fein säuberlich ausgesiebt hat. Und da ich (noch?) kein Spinnisch kann, konnte ich der auch nicht verklickern, dass sie sich mal gefälligst-hopp-hopp von mir zu retten lassen hat, damit alle weitermachen können.
Warum jetzt auch noch ein Blogbeitrag dazu?
Es hat mir unendlich leid getan.
Es war eine so schöne, kleine, grüne Spinne.
Und ich möchte begreifen, wie ich in so Situationen reagiere, um in gleichartigen Situationen besser reagieren zu können.
Es geht doch nur um eine Spinne! höre ich den einen oder anderen denken - well - ja und nein. Gibt es vielleicht noch andere Situationen in denen ich weiß, dass ich im Grunde ein grundanständiger Mensch bin, aus diesem Selbstverständnis reagiere und mein Gegenüber (Mensch, Tier, whatever) gerade einen gaaanz anderen Fahrplan im Kopf hat und es daher schief geht, weil ich nicht ganz da bin? (z.B. ablenkender Gegenstand in der Hand und Zeitdruck durch externen, wichtigen Faktor - da kommt mir ein gewisses Zugunglück in den Kopf...)
Werde ich also von der Spinnensituation lernen (also indirekt von der Spinne...), in entscheidenden Situationen alles aus der Hand und aus dem Kopf zu legen, was nicht zur Anforderung der aktuellen Situation passt? Ich hoffe es.
So nach dem Motto: Bitte bemerken, wann es um Lebewesen geht und ander Dinge dann ggf.
ausblenden: Ja, das Geld im Automaten hast Du Dir mühsam erarbeitet, ja das Wasser
mit Seife sollte nicht verschwendet werden, aber was ist das im
Vergleich zum Leben der Spinne?
Apropro: Nur eine Spinne: Als kleines Mädel waren mir die nordamerikanischen Indianer (zumeist in verklärter Version) wichtig und das Buch "Nordamerkanische Mythen und Märchen" ist neben u.a. meinem Grimme-Märchen Buch ein herzallerliebstes Buch.
Darin wird auch postuliert, dass der Mensch eins ist mit der Welt- also auch Verwandte im wortwörtlichen Sinne im Tier und Pflanzenreich hat. Nicht selten bekommen die Helden z.B. von Großmutter Spinne den entscheidenden Tipp. Wenn die Helden/Hauptpersonen nicht gar selbst Tiere sind, z.B. Coyote, Big Dipper oder der Schmetterlingsmann.
Also: Tiere = Lebewesen = in etwa genauso rettenswert wie ein Mensch. (jaa, es gibt Unterschiede - jahrzehntelang waren Mücken meine großen Nicht-Freunde) Teilweise waren sogar einzelne Menschen eher die Bösewichtel: der Sonnenträger zum Beispiel, oder der Vater, der aus blöderweise nachvollziehbaren Gründen mehrfach seine Tochter vom Kanu wegstößt und so die Meeresgöttin Sedna entsteht.
Fazit: die Welt um mich herum empfinde ich schon länger als ... mir fehlt der passende Ausdruck - vielleicht ist "anwesend" ein passender? "Beseelt" ist zu beladen und "belebt" zu banal.
Und dann kam irgendwann das Kindchenschema hinzu: Ich stand in einem meiner aus Erntesicht nicht wirklich geglückten Gartenprojekte und wollte eine der vielen Blumen von einer Schaumzikade befreien - bzw. wollte herausfinden, ob ich diesen komischen Schaum an dieser Blume nicht mit einem Stöckchen entfernen könnte - und plötzlich saß auf dem Stock ein Lebewesen, was klein und grün* war, mich aus großen Augen anschaute und mich zu fragen schien, ob ich nicht in Anbetracht meines großen Überflusses an Blumen und Wohlempfinden (sonniger Nachmittag, draußen, wohlgenährt und -gewässert), auf das Wohlbefinden einer Blume verzichten könnte zugunsten des Wohlbefinden eines mir bis dato unbekannten Lebewesens.
Ich hab das Tier vorsichtig zurück gesetzt.
Danach (vermutlich auch schon davor) hatte ich den Eindruck, weil ich so viele Dinge geschenkt bekommen habe, dass ich eine Verantwortung habe, mich in den Kreisen, in denen ich einen Unterschied ausmachen kann, diesen auch auszuüben. Und zwar in Bezug auf die gesamte Schöpfung, nicht nur die Menschen und Maschinen.
(Was mich ein bissel an das Traktakt über Dungeon/MUD?!-Spieler erinnert, dass ich mal wieder finden und mal gänzlich lesen sollte. Ich bin mir seeehr sicher, dass mich der obige Blogbeitrag in die Schublade "Hearts"** einsortiert. Grandmoff Tarkin hätte es leicht, meinen Stil zu analysieren, vermute ich ;-)
*:...ich scheine ein Faible für kleine, grüne Biester zu haben, interessant. Von Vorteil, falls Aliens mal wirklich klein, grün, und ähm, friedlich sind.
**:Zitat Wikipedia: Observations of MUD-play show styles of play that can be roughly categorized. Achievers focus on concrete measurements of success such as experience points, levels, and wealth; Explorers investigate every nook and cranny of the game, and evaluate different game mechanical
options; Socializers devote most of their energy to interacting with
other players; and then there are Killers who focus on interacting
negatively with other players, if permitted, killing the other
characters or otherwise thwarting their play. Few players play only one
way, or play one way all the time; most exhibit a diverse style.[80] According to Richard Bartle, "People go there as part of a hero's journey—a means of self-discovery".[81]
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