Seit einiger Zeit beobachte ich im Stadtverkehr, dass unterschiedliche Autos mit einer einzelnen Person hinterm Steuer (ich glaube zumeist männlich, bin mir aber nicht sicher) einen gewissen Abstand zur Haltelinie der roten Ampelanlage einhalten. Die Autos sind zumeist Mittelklasse Wagen und keines von denen war bisher so etwas wie ein Lieferwagen. Der Abstand zur Haltelinie beträgt geschätzt etwas mehr als einen Meter und das Ganze scheint nur statt zu finden, bei zweispurigen Anlagen.
Übrigens sogar dann, wenn es sich bei der roten Ampel in Frage um eine Kontaktampel handelt und das fragliche Auto als erstes an der Ampel steht. Und somit die Ampel gar nicht auf Grün geschaltet bekommt.
Lange hat Klein-Wiewunderlandine sich gefragt *Was Soll Das?!*.
Bis mir dann irgendwann aufgefallen ist: es sind alles Autos die schnell beschleunigen könnten. Viele von denen haben auch so "neue" Aufkleber drauf wie das Smiley mit den Beleidigungsfingern. Zu der Zeit wo mir das auffiel (also ab ?? etwa letztem Jahr*) kamen auch immer mehr Meldungen über Menschen, die im echten Leben rennen fahren, wie sie nur in den Filmen und Computerspielen ohne echten Schaden möglich sind.
Ob die "Ampel-Abstandhalter" wohl auch eher "Rennen fahren" und an einem Computerspiel teilnehmen, wo die Zeit erst ab Startlinie gemessen wird? Und es daher Sinn macht Abstand zu halten, da man dann bereits schneller ist, wenn die Zeit läuft? Und Stadtverkehr, bzw. der tägliche Weg zur Arbeit bereits langweilig genug ist, da kann man sich ja viel lieber verhalten, wie im coolen Spiel, wo man der Macher ist.
Vielleicht finde ich ja jemanden, der mir das Bestätigen/Verneinen kann. Interessant fände ich auch die Frage: falls das obige stimmen sollte, wie lange braucht es dann dafür? Also wie lange muss ich mich aktiv mit einer Gamingwelt auseinander setzten und mich darin erfolgreich finden, bis ich Teile der dortigen Handlung in mein konventionelles Leben übernehme?
Und auch: welche Handlungen/Sichtweisen der Welt übernehme ich noch aus dem Spiel? Vor allen Dingen, solche zu denen ich sowieso neige (z.B. bei "Gothic" im "Off" noch die letzte Heilpflanze zu sehen) oder eher die, die die Figur laut Spielwelt erfolgreich machen?
Was dann wieder vom jeweiligen Spiel abhängen würde. Wenn letzteres stimmt: Was bedeutet das dann Gesamtgesellschaftlich, wenn vor allem "Ballerspiele" / "Kriminellenspiele" gespielt werden?
Was mich in dem Zusammenhang auch interessiert: gibt es eine Möglichkeit, Computerspiele superspannend und actionreich zu gestalten und dennoch Werte zu fördern, die eine demokratische Gesellschaft unterstützen?
Sowas wie: yeah: 1000 Bäume werden gepflanzt, du hast dem Alten vorm Geldautomaten geholfen, obwohl Du gerade nur schnell Geld abheben wolltest
Oder: Wow, du hast dem neben sein Auto gefallenen Rollstuhlfahrer, der laut um Hilfe rief, beim Aufstehen geholfen: hier ist der Geheimcode für die Raketenabschussbasis**, mit der Du die Welt retten kannst.
Und auch: ist die ganze Geschichte eine Art Teufelskreis? Entwickler die jetzt Spiele entwickeln, erinnern sich an ihre Lieblingsspiele und wollen sowas "nur modern"/"noch besser" /"viel genialer" umsetzten und perpetuieren damit einen Trend, weil Frieden und moralisch gutes Verhalten im demokratischen Sinne interessant zu machen einfach mehr Gehirnschmalz benötigt, als irgendwelche Trends zu persiflieren?
I have a bad feeling about this.***
Vor allen Dingen, weil ich selbst ja gerade nix dazu beitrage als zu lamentieren. Und Meckern bringt die Sache einfach nicht weiter. Eine Reglungsbehörde übrigens auch nicht, meines Erachtens, weil wir dann zu sehr in Planwirtschaft sind und Planwirtschaft macht Spiele langweilig, davon bin ich überzeugt.
Hab das Thema letztens jemandem vorgelegt, der wesentlich rationeller über Dinge nachdenkt als ich. Die Person hat mich auf so Dinge wie SimCity hingewiesen. Irgendwie finde ich das noch nicht ganz die Antwort, bemerke ich gerade, weil SimCity ja ein Planspiel ist und meine Bedenken zunächst einmal Richtung Action-Spiele gehen.
Vielleicht muss ich einfach auf eine Jugend vertrauen, die es schaffen wird, sich die Phantasie-Welten zu erschaffen die es braucht um sich einerseits von den Erwachsenen abzusetzten und andererseits aber die neu am Horizont auftauchenden Schwierigkeiten**** konstruktiv im geschützten Geschichtenraum Probe zu lösen.
Mir fällt gerade auf: in Buchform gibt es sowas schon: Peacetalk 101 von Suzette Haden Elgin*****.
*:jaa, bin wieder mal sehr schnell mit dem Hypothesenerstellen ;-)
**: ...die für Regenbögen natürlich, hüstel.
***:...war auch ein einfacher einzuflechten als: Möge die Macht mit dir sein.
*****:...sehe gerade, was für einen Preissprung das Ding gemacht hat. Hätte ich mal mehr Expemplare gekauft ;-)
****: Peak-Oil, anyone?
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen