Bei meinen Patienen versuche ich ja immer einfache Geschichten, die die Leute kennen zu nutzen, um Sachen zu erklären. Dann können die Leute vielleicht verstehen, warum sie sich daran erinnern können, dass sie z.B. mal ein Zahlengenie waren, aber nach dem linkslastigen Schlaganfall (=rechte Seite Ausfälle) nur noch den 10er Zahlenraum überblicken können.
Bisher habe ich dann meistens sowas gesagt wie:
"Das ist ein bissel wie eine ausgebombte Stadt: das Archiv mit allen Geschichten ist noch da (Mathe Leistungskurs toll abgeschlossen, schnellster Rechner im Betrieb, etc.) aber das Ausführungsorgan, was die ganze Arbeit machen muss, hat gerade alle Aktenordner durcheinander oder verloren. Da arbeiten zwar noch Leute, aber die kommen vor lauter Aufräumen zu nix anderem mehr".
Als dann heute eine Interview mit Fritz Pleitgen (im WDR3 oder 5 ?) gesendet wurde, ist mir erstmal klar geworden, dass die Metapher eher eine Zumutung sein könnte, ob der vielen schlimmen Erinnerungen an den zweiten Weltkrieg die meine Patienten noch präsent haben könnten.
Heute abend habe ich mir dann mal Gedanken gemacht, was ich denn stattdessen erzählen könnte. Eine "lokale Katastrophe" ist das ja dann doch. Ich habe mir vorgenommen, es mal mit Erdbeben zu versuchen, und zu sehen mit welchen Geschichten meine Patienten dann kommen.
Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass eine Katastrophe wie Krieg oder Erdbeben nicht dazu geeignet sind, für tolle Stimmung in der Therapie zu sorgen.
Well, die Leute die einen Schlaganfall hinter sich haben *haben* ja auch eine Katastrophe durchgemacht. Zugegebenerweise nur im Kleinen, aber viele Patienten (in dem Fall augenscheinlich eher die Männer) scheinen sich zu schämen, dass sie in Gegenwart der, aus ihrer Sicht blutjungen, Therapeutin die einfachsten Dinge nicht hinkriegen. Und es sind meistens gestandene Männer, deren Lebensgeschichte einen wirklich Respekt einflößt.
Und wenn ich dann eine verständliche Geschichte erzählen kann, die hilft zu verstehen, warum ich mit komischen Aufgaben vorbei komme, die mitten im Epizentrum des "Erbebens" liegen und ich es mit meinen "beschämenden" Aufgen darauf anlege, den "Leuten vor Ort" beim "Wiederaufbau" zu helfen, soweit möglich - warum nicht etwas anwenden, was dafür mit sorgen kann, dass die Leute den Mut behalten?!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen