Sonntag, 31. Mai 2015

Wissenschaftliches Arbeiten in Wiewunderlandia?

Wie in einem vorherigen Blog schon angeklungen: es gibt eine Art Irmel-Skala nach der ich meine Arbeits-Erfahrungen einsortiere. Das Beispiel aus dem genannten Beitrag war: Müdigkeit des Feldenkraislehrers ist eine emphatische Reaktion auf die Müdigkeit des Klienten.

Bisher ist diese Erfahrung auf der "wissentschaftlichen Wiewunderlandia-Skala" auf dem niedrigsten Level: also es ist eine Wiewunderlandia-Theorie (aka "Verschwörungstheorie"), die auf meinem Mist gewachsen ist und genauso gut ein Gehirngespinst wie eine nützliche Interpretation sein kann. Wobei ich bei der Einschätzung eher zu Gehirngespinst neigen würde als zur nützlichen Interpretation.

Mein Beispiel mit der Müdigkeit hat zur Zeit eine Fallzahl von ca. 10. In der Wisschschaft ist das lächerlich niedrig. Bei qualitativen Untersuchungen müssen es mindestens 21 Fälle sein, bei quantitativen Untersuchungen lieber Zahlen weit jenseits der 1000, wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe.

Die nächste Stufe heißt: "Arbeitshypothese" - in der Wissenschaft (soweit ich das begriffen habe) eine vorläufige Annahme, über wie die Wirklichkeit läuft, die aber noch nicht ausreichend bewiesen ist.

Genanntes Beispiel befindet sich da auf ca. 50% Arbeitshypothese, weil ich z.Zt. in meinem Feld "nur" qualitative Untersuchungen starten könnte. Fallzahlen jenseits der 1000 braucht noch was ;-) Plus, es geht um ein Gefühl, also etwas, was soweit ich weiß nicht direkt objektivierbar ist. (Obwohl, wie ist das dann mit der Glücksforschung?! Ich bin echt nicht mehr auf dem letzten Stand der -wissenschaftlichen - Technik.)

Danach kommt die Stufe, der wissenschaftlich anerkannten Theorie, die ich in meinem Arbeiten zunächst nicht erreichen werde, da mir zumeist die Fallzahlen und die Reproduzierbarkeit durch anerkannte Andere (Wissenschaflter) fehlt. Aber es könnte sein, das meine Arbeitshypothese von Studien bestätigt werden, die ich dann hoffentlich auch in die Finger bekomme.

Vorliegendes Beispiel wird es m.E. richtig schwer haben, es zu einer Theorie zu bringen, weil es ja nicht so richtig objektivierbar ist. Ich frage mich, ob Umfragen bei anderen Feldenkraislehrern auf diesem Level was bringen würde - aber vermutlich nicht, weil ich ja suggestive Fragen stelle müsste? Fragen, die zu weiteren Fragen führen, weil ich einfach noch zu wenig weiß. Auf jeden Fall: Faszinierend!

Wobei - Obacht: wissenschaftliche Theorien sind auch "nur" Denkmodelle und können daher auch umformuliert werden, wenn neue Daten irgendwie nicht passen und mit einer Anpassung/Änderung der Theorie passen könnten.

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